Steuerstand und Davids

Winter 2017

3 Jahre hatte ich Alaya nun und wie im richtigen Leben entdeckt man immer wieder so die Eine oder Andere Stelle an der es undicht ist, sich etwas auf- oder ablöst, Schrauben sich wie von Geisterhand gelöst haben und und und … ich glaube das kennt jeder Bootsbesitzer. Und beim Steuerstand war es nichts anderes: Anfangs war es nur eine kleine Stelle aber im Laufe der Zeit wurde der Holz-Torf im unteren Standbereich immer mehr. Irgendwann musste die Entscheidung gefällt werden – teilweise reparieren oder neu?

Im Januar 2018 stand die Entscheidung fest: Neuer Steuerstand – aus Teak, passend zum Rest des Schiffes und nicht mehr aus Sperrholz das mit weißem Plastik überzogen ist. Also los: Alle Instrumente abbauen, Kabel beschriften, Abdeckplane über den Arbeitsplatz und – weg mit dem alten, maroden Steuerstand. Ganz nebenbei wurde dann noch der Auftrag vergeben das Steuerrad abzuziehen und neu zu lackieren – der alte Lack und die entsprechenden Ausbesserungen waren doch inzwischen sehr in die Jahre gekommen und auch unansehnlich geworden.

Nun began Ralfs Arbeit – er ist der Holzwurm der Marina Baltica und genau der richtige Mann für solch ein Projekt! Schablone um Schablone wurde angefertigt, x mal wurde der „Rohbau“ aus der Werf auf Alaya geschleppt und angepasst. Hier noch n bischn mehr und dort noch n bischn weniger – ich kenne kein Schiff das rechte Winkel hat – auf Alaya schon gar nicht! Es dauerte und dauerte und ich dachte schon die bauen mir ein neues Schiff aber nein – es war „nur“ der Steuerstand. So langsam gewöhnte ich mich an den Anblick der blanken Steuersäule.

 

Erst im März war der Steuerstand dann endgültig fertig – erst im Laufe des ganzen Arbeitsprozesses war mir klargeworden das meine Vorstellung (mal so eben n neuen Steuerstand bauen) völlig abwegig war! Nun denn – mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden! Die „Kleine“ ist wieder ein wenig hübscher geworden.

März 2018 – Die Davids werden gebaut

Dinghy – es soll 1 bis 4 Personen und ggf. Einkäufe, Kanister oder Ausstattung transportieren. Nicht zu groß und nicht zu klein – natürlich muss es gut durch die Wellen kommen … es gibt noch so viele individuelle Ansprüche die DAS Dingi erfüllen muss. Wahrscheinlich hat da jeder seine eigene Priorität. Als auf der TO (Trans-Ocean Verein) Seite ein gut erhaltenes Carib-Dinghy angeboten wurde habe ich sofort zugeschlagen. Nach meiner Auffassung erfüllt dieses Beiboot alle meine Anforderungen.

ABER: Aufgrund des hohen Eigengewichtes durch den festen Rumpf (kein Vorteil ohne Nachteil) war ein ständiges über die Reling Heben nahezu undenkbar. Auch „Die Postbootin“, wie das gelbe Carib schnell genannt wurde, ständig hinterher schleppen kam nicht in Betracht: Bewuchs am Unterwasserschiff, Alaya wäre noch langsamer und die Diebstahlgefahr ist auch nicht zu unterschätzen … – daher kam ein alter Wunsch in mir wieder hoch: Alaya sollte Davids bekommen!

Aber welche? Aus Niro? So zwei „Haken“ da am Heck aus Edelstahl? NEIN, das kam nicht in Betracht! Ich orientierte mich da mehr so an den Traditionsseglern die echte Holzdavids hinten dran haben. Das war optisch für mich die einzige Möglichkeit meinen ästhetischen Ansprüchen genüge zu leisteten. Nun – gedacht getan … – wieder lange Gespräche mit Rainer, Andreas und Ralph von der Marina Baltica … und im März ging es dann tatsächlich los!

Viel, sehr viel Teakbalken wurden bei der Firma Klatt bestellt und geliefert – handverlesene, sehr gute Planken! Diese wurden nun passend gesägt und mittels Epoxid formverleimt. Aus vielen einzelnen Balken wurden 2 riesig anmutende Blöcke …

Eine 2 Baustelle wurde eröffnet: Die Reling der Alaya musste durchtrennt werden, die Süllkante offengelegt werden, der Hohlraum mit Holz ausgefüllt werden – die Kräfte die die Davids auf die Süllkannte bringen würden müssen ja irgendwie aufgefangen werden … mein Herz blutete als Ralph mit der Säge „so einfach“ die Reling zerschnitt …

Weiter ging es wieder mit den inzwischen schon erkennbaren Davids – zum Anpassen zur Alaya tragen, anpassen, wieder in die Halle tragen, wieder n bisschen hier oder n bischn da weghobeln, wieder zur Alaya tragen …

Irgendwann kam dann endlich der Tag der Wahrheit: Montage! Endlich sollte das Heck sein neues Gesicht bekommen und die Davids endgültig angepasst werden. 40 cm lange, 3 cm dicke Schrauben (je David 5!) wurden fest in das Fundament verschraubt und … 🙂 JA – ALLES passte:

Abschließend dann noch die Winschen und eine Querverstrebung (leicht abnehmbar über Flügelschrauben für den Fall das wir „Römisch-Katholisch anlegen) angebracht. Die Reling wurde nun wieder „verschlossen“ und wenn die Witterung fleissig ist sieht man in 1 Jahr keinen Unterschied mehr in der Patina vom Teak.

… die „Postbootin“ ist an ihrem neuen Platz …